Eberhard Blum.org

 

In seinem Leben wie in seinem Werk hat Eberhard Blum (1940–2013) ein Kontinuum der musikalischen und bildenden Künste postuliert und demonstriert.


Als Ausführender neuer und experimenteller Instrumental-, Sprach-, Konzept- und Interdisziplinarwerke prägte er die zeitgenössische Aufführungskunst jahrzehntelang durch die Kraft und Kunstfertigkeit seines Spiels genauso wie durch den Ernst seines kammer-musikalischen Engagements. Ohne seine fachmännisch nüchterne Expressivität und sprichwörtliche Unermüdlichkeit als Solist wären etliche Werke der Neuen Musik kaum um das Spektrum seiner Flöten herum instrumentiert worden, noch hätten diese Werke, z. B. die späten großen Trios Morton Feldmans, Spieldauern von bis zu vier- einhalb Stunden. Ebenso beruhte die Virtuosität seines werkgetreuen Vortrages klangpoetischer Arbeiten, etwa von Kurt Schwitters’ Ursonate, auf Musikverstand, präziser vokal–verbaler Artikulation und der Integrität seines körperlichen Einsatzes.


Die unbändige Energie dieser Körpersprache, die anfangs vornehmlich der Klangproduktion diente, manifestierte sich ab den späten 1970er Jahren gleichermaßen in seiner Arbeit als bildender Künstler. Mit kraftvoller Gestik, deren Ursprung Blum in dem Vorgang des Schreibens sah, gelang ihm zunächst parallel zu seinen Konzert- und Recordingtätigkeiten und dann, nachdem er sein aktives Musikerleben 2001 beendet hatte, als künstlerischer Schwerpunkt die Niederschrift unzähliger graphisch–konzeptueller Werke.

 

Darüber hinaus verschrieb sich Blum der Kunst der Konzeption, Komposition und Realisation klug durchdachter Konzertprogramme mit Werken der alten wie neuen Musik, für die er sich Zeit seines Lebens begeistert und eingesetzt hatte. Zusammen mit einer inter-nationalen Gruppe von Musikern, die er persönlich wie professionell schätzte, wurden diese Veranstaltungen, ob als Einzelkonzert oder als ganze Serie, überwiegend in Kunstmuseen und Galerien durchgeführt. Denn von Anbeginn seines Werdeganges gab es für ihn kein Hören ohne Sehen, keine Kunst ohne Musik.

 

In Blums autobiographischen CHOICE & CHANCE: Bilder und Berichte aus meinem Leben als Musiker (Berlinische Galerie, Berlin 2008) befinden sich u.a. detaillierte Angaben und inhaltliche Kommentare zu einigen dieser Programmgestaltungen. Im letzten Satz des Buches heißt es: „Ein jeder hat seine Besessenheit, meine besteht jetzt darin, unermüdlich an der Schaffung des von mir angestrebten Œuvres zu arbeiten—ohne dabei die Musik nur einen Moment lang zu vergessen.“


Die Website EberhardBlum.org sucht die Vielfalt und Singularität seines Lebenswerks anschaulich zu machen.

Rheinsberg, 1997            Photo credit © A.H. Lehmann